Workshop
„Nach-der-Tat“-Workshops: Angriffe beenden, ohne sich selbst zu gefährden
Neue Workshops
Am 28. Januar 2012 und 18. Februar 2012 haben sich die ersten Jugendlichen für die Workshop-Leitung qualifiziert.
Sie
zeigen Euch in eigenen Bonhoff-Brief Workshops, wie man den
Bonhoff-Brief einsetzt. Zunächst in den Bundesländern Baden-Württemberg,
Berlin, Hessen und Sachsen, nun auch in Bayern und Nordrhein-Westfalen.*
Du willst selbst auch Workshops leiten?
Es finden laufend Trainee-Workshops in Berlin für angehende Workshop-Leiter
statt. Die Kosten hierfür, einschließlich des Berlin-Wochenendes, tragen
wir.
In den Trainee-Workshops geht es darum, wie man den Bonhoff-Brief bestmöglich einsetzt, um Gewalt- und Mobbing-Angriffe zu beenden. Außerdem entwickelt Ihr an den Wochenend-Workshops gemeinsam Ideen, wie Ihr Teilnehmer für die kurzen Bonhoff-Brief Workshops gewinnt. Wir geben Euch einen Leitfaden für die Workshops und unterstützen Euch bei der Organisation. Für jeden von Euch vor Ort durchgeführten Workshop zahlen wir dann eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 200€.
Kurzvorstellung der Bonhoff-Brief Workshops:
- Stellt Euch vor, jemand wird immer wieder angegriffen
- Muss der Staat handeln?
- Was kann man tun, wenn der Staat die Angriffe nicht beendet?
- Was bringt der Bonhoff-Brief?
*Wie bewerbe ich mich für einen kostenlosen Bonhoff-Brief Workshop?
Wenn Du als Beobachter oder Betroffener Erfahrungen mit Mobbing oder Gewalt gemacht hast, dann schildere uns, wie die Schule und andere staatlichen Institutionen reagiert haben. Dies kannst Du uns über verschiedene Wege mitteilen:
- Sende uns eine Schilderung der beobachteten oder selbst erlebten Mobbing- oder Gewaltvorfälle und gib an, dass Du am Workshop teilnehmen möchtest
oder
- Schicke einen Bonhoff-Brief und ergänze in der Kopie an uns, dass Du am Workshop teilnehmen möchtest (mit Name und Kontaktdaten)
oder
- Teile uns in einem Lagebericht mit, wie die Situation bei Dir vor Ort aussieht – als Zeitungsartikel oder kurzem Bericht darüber und bewirb Dich damit für den Workshop.
oder
- Du sprichst einen unserer jugendlichen Workshop-Leiter an bzw. fragst bei uns nach, wo der nächste Workshop stattfindet.
Im Workshop wirst Du gemeinsam mit anderen Jugendlichen Wege finden, wie Angegriffene und der Rechtsstaat unterstützt werden können. Dadurch kannst Du einen Beitrag leisten, anderen zu helfen, ohne Dich selbst zu gefährden.
Doku Workshop Herbst 2010:
Wie können Angegriffene unterstützt werden?
Nach unserem bundesweiten Aufruf mit SPIESSER, uns Erfahrungen zu schildern, wie die Schule und andere staatliche Stellen auf Gewaltvorfälle reagiert haben, erhiehlten wir viele Meldungen. Jeder mit eigenen Erfahrungen ist für unseren Ansatz ein "Praxis-Experte". Weil "Praxis-Experten" wissen, wie es wirklich ist, haben wir mit ihnen vom 3. bis 5.September 2010 einen Workshop veranstaltet. Aufgabenstellung für den Workshop war, wie Angegriffene aus Sicht der Jugendlichen unterstützt werden können.

In der Praxis kann vieles schief laufen...
... schon bei der Aufklärung von Gewaltvorfällen:
- Angegriffene schweigen, da sie sonst eine Verschlimmerung der Situation befürchten
- Zeugen (vermeintlich Unbeteiligte) schauen gleich weg oder schweigen später
- Mitschüler ignorieren die Vorfälle und bestärken damit die Täter in ihren Handlungen
- Mitschüler verbünden sich mit Tätern
- Eltern suchen die Schuld auch beim eigenen Kind oder ignorieren das Problem
- Lehrer ignorieren die Vorfälle, melden sie nicht dem Schulleiter, schätzen die Lage falsch ein oder leugnen das Problem
... auch bei der Reaktion der Verantwortlichen
- Lehrer reagieren genervt auf die Meldung, dass es ein Problem gibt bzw. immer noch gibt
- Lehrer thematisieren das Problem unvorbereitet vor der gesamten Klasse und verschlimmern die Situation für den Angegriffenen damit häufig
- Schulleiter fühlen sich nicht verantwortlich, reagieren nicht, melden es nicht weiter
- Angegriffene wenden sich an "Vertrauensperson" (Klassenlehrer, Vertrauenslehrer), die sich aber nicht für sie einsetzen
- Polizei reagiert nicht auf Hinweise, dass Gefahr andauert und schätzt die Situation falsch ein
- Polizei rät von einer Anzeige ab; betont, dass die "Beweise" nicht ausreichen würden
- Polizei "ermittelt", aber sichtbare Reaktionen erfolgen nicht
- Staatsanwaltschaft "ermittelt" und stellt das Verfahren später ein wegen "mangelnden öffentlichen Interesses" an der Strafverfolgung oder schlicht, weil nicht erfolgreich ermittelt wurde
In keinem dieser Fälle verbessert sich die Situation für den Angegriffenen.
Die Praxis-Experten haben die Erfahrung gemacht, dass schon die Aufklärung von Gewaltvorfällen oft mangelhaft erfolgt und trotz der Meldung, dass etwas schief läuft, nicht reagiert wird. Wenn auf Gewaltvorfälle nicht reagiert wird, wirkt sich das nachteilig auf das gesamte Umfeld (Klasse, Zeugen, Familie, Freunde, Bekannte, Verwandte, Lehrer, Eltern, Nachbarn) aus. Das nagt am Vertrauen aller Beteiligten auf das Recht und dessen Durchsetzung.
Reaktionen auf Gewaltvorfälle müssen oft erst eingefordert werden, wobei diejenigen, die Unterstützung brauchen und/oder das Unrecht melden, manchmal sogar als störend wahrgenommen werden. Nach Ansicht der Jugendlichen ist es unerlässlich, dass auf Gewalttaten sichtbar für Betroffene und Beobachter reagiert wird. Sie würden gern bei der Aufklärung helfen, wollen sich aber selbst nicht in Gefahr bringen. Deshalb haben wir gemeinsam mit diesen "Praxis-Experten" den Bonhoff-Brief entwickelt.
Einige Kommentare von Teilnehmern des Workshops:
H. (18): "Ich bin begeistert von der Idee mit dem anonymen Brief. Es ist ein tolles Projekt. Die Erfahrung, dass man es nicht allein machen muss, sondern Mitstreiter hat, ist schön."
D. (19): "Der Workshop hat konkrete Ergebnisse gebracht und das Angebot mit dem anonymen Brief finde ich richtig gut."
V. (16): "Ich fand es echt gut, dass sich endlich mal jemand dafür interessiert, wie in Wahrheit von Zuständigen wie Lehrern oder Polizei mit dem Thema Mobbing und Gewalt umgegangen wird."
R. (18): "Der Ansatz des Workshops war mal etwas völlig anderes. Es ging nicht darum, Altes wieder aufzuwärmen, sondern gemeinsam bessere Handlungsmöglichkeiten für die Zukunft zu erarbeiten. Ich hatte das Gefühl, dass wir, statt nur nach Verteidigungsmöglichkeiten zu suchen, uns aktiv und produktiv mit dem Problem des Mobbings auseinandergesetzt haben und war auch mit den Ergebnissen zufrieden."
M. (15): "Ich finde es super, dass wir zu dem konkreten Ziel gekommen sind."