NACH DER TAT

Lagebericht

Hier zeigen wir einige Gewaltvorfälle, die Hinweise auf verfestigte Gewalt geben. Verfestigte Gewalt zeigt sich bei Angriffen mit Waffen, unter ungleichen Kräfteverhältnissen und/oder großer Brutalität. Deshalb ist es so wichtig, schon frühzeitig auch auf minderschwere Gewaltvorfälle zu reagieren.

Ist Dir ein Fall bekannt, wo der Rechtsstaat vor Ort nichts Sichtbares nach Gewaltvorfällen unternommen hat, um die Situation zu verbessern? Sende uns einen Lagebericht, als Zeitungsartikel oder eMail.

Wenn Du Gewalttaten beobachtest oder selbst erlebst, schreibe einen Bonhoff-Brief. Mit einem Bonhoff-Brief kann jeder mit unserer Hilfe dem Rechtsstaat Druck machen, frühzeitig, sichtbar und wirksam einzugreifen.
Gefahrlos für Dich, wirkungsvoll gegen Gewalt.

Gewalt verfestigt sich, wo der Rechtsstaat nicht frühzeitig, sichtbar und wirksam eingreift.

Verfestigte Gewalt

Rathenow,  10.08.2011 Märkische Allgemeine:
Ein 19-Jähriger wurde im April 2010 niedergeschlagen. Als er am Boden lag sprang ihm der Täter auf den Kopf. Der Beschuldigte behauptet, keine Erinnerung mehr an den Vorfall zu haben.
Hier drängt sich jedenfalls die Frage auf, ob der Rechtsstaat frühzeitig reagiert, wenn die Verhandlung erst 16 Monate nach der Tat stattfindet. Zudem ist zu vermuten, dass der Täter durch voran gegangene Gewalttaten seine Brutalität gesteigert hat.

Halle/Saale, 08.08.2011 Mitteldeutsche Zeitung:
Eine tödliche Auseinandersetzung am halleschen Hauptbahnhof, bei der Ende April dieses Jahres ein 27 Jahre alter Mann mit einem Messerstich getötet worden war, bleibt ohne juristisches Nachspiel für den Täter. Der Staatsanwalt hat das Verfahren eingestellt.
Eine Verfahrenseinstellung als Antwort auf eine schwere Gewalttat ist kein gutes Signal des Rechtsstaats. Wir bezweifeln, dass es das Vertrauen in den Rechtsstaat stärkt, wenn das Verfahren eingestellt wird, ohne den Tathergang vor Gericht gründlich zu prüfen.

Berlin, 08.08.2011 Spiegel online:
Ein 25-Jähriger, der in Berlin zwei Menschen auf offener Strasse erschossen hat, hatte seiner Ex-Frau, wie auch deren Schwester, dem späteren Mordopfer, schon vor Monaten mit dem Tod gedroht. Die Anklage dafür sollte ihm nach zehn Monaten in Kürze zugestellt werden. So lange hat der Mörder nicht gewartet. Er war bereits im Jahr 2008 zu einer zehnmonatigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt worden und auch vorher durch Gewalttaten aufgefallen.
Wir bezweifeln, dass es das Vertrauen in den Rechtsstaat stärkt, wenn auf Todesdrohungen nicht zeitnah reagiert wird, obwohl der Beschuldigte bereits als Gewalttäter bekannt ist.

Villingen-Schwenningen, 31.07.2011 Schwarzwälder Bote:
Drei stark betrunkene Männer haben auf dem Bahnhofsvorplatz in Schwenningen eine Schlägerei angezettelt. Die Polizei erteilte den einschlägig bekannten Schlägern Platzverweise.  
Hier hat der Rechtsstaat sichtbar eingegriffen. Fraglich ist jedoch, ob die erteilten Maßnahmen sich als erzieherisch wirksam erweisen, wenn auf Körperverletzung und Landesfriedensbruch mit Platzverweisen reagiert wird.

Kulmbach, 21.07.2011, Frankenpost:
Weil beide Angeklagte derzeit ohnehin schon Gefängnisstrafen absitzen müssen, hat das Landgericht Bayreuth das Verfahren gegen eine 24-Jährige und einen 23-Jährigen eingestellt. Die beiden hatten im Juni vergangenen Jahres einen jungen Mann brutal zusammen geschlagen.
Eine Verfahrenseinstellung als Antwort auf eine schwere Gewalttat ist ein schlechtes Signal des Rechtsstaats – nicht nur für den Geschädigten.

Berlin,  12.07.2011 Berliner Zeitung:
Zwei Männer griffen aus noch unklaren Gründen eine Gruppe von fünf Personen an. Daraus entwickelte sich eine Schlägerei, in deren Verlauf ein 33-Jähriger aus der Fünfer-Gruppe von einem der beiden Männer niedergeschlagen wurde. Der andere des Duos sprang dem am Boden liegenden Mann auf den Kopf und brach ihm den Schädel.
Hier drängt sich die Frage auf, ob und wie der Rechtsstaat in der Vergangenheit bereits versucht hat, auf den Haupttäter einzuwirken.   

Nürnberg, 11.07.2011 Nürnberger Zeitung:
Seit nunmehr sechs Wochen verhandelt die Jugendkammer einen Fall brutalster Straßengewalt, der sich im Juli 2010 in der Nürnberger Innenstadt ereignete. Angeklagt sind acht Jugendliche und Heranwachsende im Alter von 17 bis 19 Jahren. Die Clique attackierte zunächst zwei Männer nahe dem Bahnhof, dann einen 26-Jährigen, der durch Tritte in das Gesicht schwer verletzt wurde und schließlich ein weiteres Opfer.
Auffallend ist hier, dass die Täter in der Innenstadt nacheinander unbehelligt mehrere Personen angreifen konnten. Wenn das Verfahren erst ein Jahr später beginnt, hatten die Täter womöglich Gelegenheit, in der Zwischenzeit weitere Gewalttaten zu begehen.

Eislingen, 03.06.2011 Stuttgarter Zeitung:
Ein mutmaßliches Mitglied der "Black Jackets" steht wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht. Die Messerattacke war nicht der erste versuchte Totschlag des Mannes.
Nachtrag:
Stuttgart, 25.06.2011 Stuttgarter Zeitung:
Der angeklagte 24-Jährige wurde zu sieben Jahren Freiheitsstrafe für zwei Fälle versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Die Taten seien juristisch nahe am versuchten Mord, urteilte der Richter.
Hier hat der Rechtsstaat deutlich eingegriffen. Jedoch nicht frühzeitig. Zwischen der ersten Tat und der Verhandlung vergingen zwei Jahre, in denen der Täter die zweite schwere Gewalttat begehen konnte. Für beide Fälle wurde eine Gesamtstrafe gebildet.

Köln, 01.06.2011 Express:
Gewalt unter Schülern: Eine 15-jährige wurde im Bus von zwei Mitschülern verprügelt. Laut Bezirksregierung soll sie jetzt die Schule wechseln.
Wir bezweifeln, dass es das Vertrauen in den Rechtsstaat stärkt, wenn die Angegriffene die Schule wechseln muss.

Duisburg, 04.01.2011, Der Westen:
Ein 18-jähriger Duisburger berichtet von seinen Erlebnissen im Nahverkehr in Duisburg. Gewalttaten seien an der Tagesordnung. Polizei und Verkehrsbetriebe bestreiten den Vorwurf dieser Zustände. Ein Polizeisprecher sagt dazu, dass es im Jahr 2010 nur drei Fälle von gewaltsamen Übergriffen in Bussen und Bahnen gegeben hätte.
Nachtrag:
Duisburg-Nord, 07.03.2011 Der Westen:
Ein WAZ-Redakteur begleitete einen Busfahrer auf einer Fahrt nach Feierabend in Duisburg. Der Fahrer äußert darin, dass Angriffe und Bedrohungen zu seinem Fahrer-Alltag gehören.
Die Artikel aus Duisburg weisen darauf hin, dass dort nicht alle Gewaltvorfälle angezeigt werden.

Berlin, 07.12.2010 Der Tagesspiegel:
Drei Jugendliche ziehen raubend und prügelnd durch Berlin. ZEIT-Magazin-Autorin Susanne Leinemann hat den Ausbruch der Gewalt knapp überlebt.
Die jahrelange Betreuung durch das Jugendamt und verschiedene Jugendhilfeeinrichtungen brachte bei den dreien nicht das gewünschte Ergebnis.

 

Viele Beobachter bleiben aus Angst Schweigende Zeugen.

Schweigende Zeugen

Wenn der Täter aus dem Umfeld stammt, ist es für Zeugen schwierig, offen auszusagen. Sie sehen sich tätlichen Angriffen schutzlos gegenüber, wenn der Täter erfährt, dass sie ihn belastet haben

Mannheim, 05.08.2011 morgenweb:
Eine 13-Jährige ist mit erheblichen Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Eine etwa 16-Jährige hatte sie mit Fäusten traktiert und ihren Kopf mehrfach auf den Boden geschlagen. Während des Angriffs standen etwa zehn bis zwölf Jugendliche dabei, ohne einzugreifen. Die Polizei bittet um Hinweise.

Esslingen, 01.08.2011 Teckbote:
Aus bislang unbekanntem Grund kam es in einer Diskothek in Esslingen zwischen mehreren Personen auf der Tanzfläche zu einer Schlägerei, bei der ein junger Mann schwer verletzt wurde. Zur Tatzeit befanden sich 30 bis 50 Menschen auf der Tanzfläche. Die Polizei sucht Zeugen.  

Augsburg, 18.07.2011 Augsburger Allgemeine:
Nach einem verweigerten Handschlag kommt es in Augsburg zu einer Schlägerei. Der Vorfall artete zu einem Fall von Selbstjustiz aus. Der Geschädigte wie auch Augenzeugen des Vorfalls schwiegen vor Gericht.

Witten, 30.05.2011 Der Westen:
Ein Mann hat in seiner Nachbarschaft über Jahre Angst und Schrecken verbreitet. Anzeigen wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Beleidigung liegen vor. Anwohner schweigen aus Angst vor Übergriffen.



 

Die Fallsammlung wird laufend ergänzt. Die vollständigen Artikel kannst Du bei den angegebenen Zeitungen online nachlesen.